Das Hüttenbauprojekt der Schulsozialarbeit und seine Folgen

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Die Lage unserer Schule direkt am Waldrand ist ein großes Privileg. Viele unserer Schülerinnen und Schüler haben in der Vergangenheit sowohl während der Pausen als auch in ihrer Freizeit dieses Privileg genutzt und gemeinsam Lager und Hütten in und am Wald errichtet. Hin und wieder kam es im Zusammenhang mit diesen oft sehr schönen und imposanten „Bauwerken“ zu Konflikten. Zwar konnten wir diese in der Regel gut lösen, es war uns jedoch dennoch ein Anliegen, die Kinder dabei zu unterstützen, künftig ohne Streit gemeinsam Hütten zu bauen.
Für die Projektwoche gewann unsere Schulsozialarbeiterin Frau Gannott daher den Sozialpädagogen Oliver Bardon und den Zimmermann und Spielpädagogen Chris Vollmer. Diese boten ein speziell auf die Waldschule und die mit dem „Lagerbau“ verbundenen Themen der Kinder zugeschnittenes Hüttenbauprojekt an. Das Konzept des Projekts beinhaltete neben der Vermittlung der handwerklichen Fähigkeiten zum Bau einer sicheren Hütte auch sozialpädagogische Elemente. Finanziert wurde es hierbei aus dem Etat der Schulsozialarbeit.
Die Aktion hat allen Beteiligten viel Spaß gemacht. Selbst als uns das Wetter am letzten Tag der Projektwoche einen Strich durch die Rechnung machen wollte, blieben die Kinder mit Feuereifer am Ball und versuchten gemeinsam mit den Projektleitern im strömenden Regen noch so viele Bestandteile der Hütte wie nur möglich fertigzustellen.
Letztlich erreichten wir gemeinsam ein tolles Ergebnis:
Eine Hütte mit begehbarer Plattform, welche mit Geländern gesichert war, und mit einer selbst errichteten Leiter erreicht werden konnte. Stolz präsentierten die Kinder den Eltern „ihre“ Hütte auf dem Schulfest am letzten Tag der Projektwoche.Schon während der Bauzeit und auch in den Tagen danach erreichte uns häufig die Frage, ob die Hütte denn stehen bleiben und von allen Schülerinnen und Schülern genutzt werden dürfe.
Selbstverständlich liegt es im Interesse der Schulleitung und aller Kolleginnen und Kollegen unserer Schule, dass derartig aufwändige und von den Kindern mit Begeisterung und Eifer durchgeführten Projekte auch nachhaltig sind. Damit ihre Ideen und Effekte Einklang in den Schulalltag finden, war die Schulleitung zu diesen Fragen bereits während der Projektwoche mit der Ortsverwaltung Neureut in Abklärung gegangen. Versehen mit einem weicheren Boden als Fallschutz, den die Ortsverwaltung organisieren wollte, hätte das Baumhaus wahrscheinlich stehen bleiben dürfen.
Leider wurde die Hütte bereits kurze Zeit nach der Projektwoche derart nachhaltig zerstört, dass eine Nutzung unmöglich geworden war. Die gelösten Knoten, zerschnittenen Seile, abgebauten Geländekonstruktionen und heruntergerissen Schilder lösten bei vielen Schülerinnen und Schülern Trauer und Wut aus, denen wir als Schule auch Raum geben mussten und wollten.
In Absprache mit dem Elternbeirat traf sich Frau Gannott vor den Pfingstferien mit den am Projekt beteiligten Kindern. Sie gab ihnen Gelegenheit, das auszudrücken, was die Zerstörung des Baumhauses bei ihnen auslöste und was sie denen, die hier ganze Arbeit geleistet hatten, gerne sagen würden. Diese Gedanken schrieben die Kinder auf Karten. Frau Gannott laminierte diese und befestigte die Botschaften an den Überresten der Hütte. Nach den Pfingstferien waren schließlich alle bis dahin noch vorhandenen Teile sowie die beschriebenen Botschaften endgültig zerlegt und verschwunden, was wir sehr bedauern.
Neben dem finanziellen Verlust stimmte es uns zutiefst traurig, dass der Eifer und die Disziplin, mit der alle Beteiligten am Bau der Hütte mitgewirkt haben, nicht die Würdigung erfuhren, die sie verdient hätten.

Wir wünschen uns, dass alle Kinder dennoch aus der Erfahrung des gemeinsamen Schaffens und auch des gemeinsamen Verlustes etwas Positives mitnehmen können. (M.Biehl, Konrektorin)